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Vertreibung 1945
Ein Bericht aus dem Sudetenland
Aus den Dokumenten zur Vertreibung der Sudetendeutschen
Überlebende kommen zu Wort
Berichterin: Anna Zitzmann Bericht vom 8. 6. 1946, Possigau und Taus, Bericht Nr. 289
Mißhandlung von Frauen, Mai 1945
Am 2. Mai wurde von Partisanen mein Mann und mein 16-jähriger Sohn verhaftet und 8 Tage in Possigau in einem Eiskeller eingesperrt. Dort wurden
sie an auf den Rücken zusammengebundenen Händen an einen Baum gehängt und mit Eisenketten geschlagen. Von Possigau wurden sie nach Taus überführt. Am Wege wurden sie wieder so verprügelt, daß der ganze Körper blau
war. Am 8. Mai wurde auch ich verhaftet, ohne daß ein Grund vorhanden war. Ich wurde auch zwei Tage im Eiskeller in Possigau festgehalten ohne Essen. Dort wurde ich auch verprügelt. Ich mußte mich über die Lehne
eines Stuhles legen, dann wurden mir die Röcke aufgehoben. Zwei Männer schlugen mich dann mit Gummiknüppeln. Auch ins Gesicht wurde ich geschlagen. Dabei wurden mir fast alle Zähne ausgeschlagen. Durch 10 Tage
hindurch wurde ich täglich auf diese Weise mehrmals verprügelt. Wenn ich urinierte, ging Blut ab. Von Possigau kam ich nach Taus in das Bezirksgericht. Auch dort wurde ich geprügelt. Drei Wochen wurde ich im
Gefängnis gehalten, mit völlig unzureichender Verpflegung. Dort waren noch gegen 150 Frauen, die genau so geprügelt wurden wie ich. Mein Mann und mein Sohn befanden sich im selben Gefängnis. Am 17. 6. wurde mein
Mann und mein Sohn abtransportiert. Ich habe nichts mehr von ihnen gehört. Eine Tschechin erzählte mir später, daß in einem Massengrab hinter dem Bahnhof von Taus 1200 deutsche Männer liegen sollten. Von Taus wurde
ich Ende Juni zu einem Bauern in Arbeit gegeben, wo ich es verhältnismäßig gut hatte. Im August kam ich ins Lager nach Taus zurück und mußte von dort in die Milchhalle arbeiten gehen, wo es ebenfalls erträglich war.
Dann wurde ich als Haushälterin zu einem tschechischen Witwer mit 10 Kindern geschickt. Der Witwer machte mir mehrere Heiratsanträge, die ich abwies. Um seinen dauernden Belästigungen zu entgehen, floh ich im April
1946 über die Grenze. Ich kann diese Aussage beeiden
Nachtrag:
In einem Gespräch (2005) mit der Passauer Presse, Herrn Köpl, wurde mir mitgeteilt, dass das Massengrab hinter dem Bahnhof von Taus
entdeckt worden ist. Mit großer Sicherheit liegen dort der Mann und der Sohn von Anna Zitzmann.
Jakob Zitzmann war der Ehegatte und Heinrich Zitzmann war ihr gemeinsamer Sohn. Nach Nachforschungen von Herrn Köpl stammt die Familie
ursprünglich aus Linz.
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